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Herz der unsichtbaren Tränen

behandelt das Dunkle und das Helle im Leben. Der Roman ist das literarisch verarbeitete Unwohlsein mit bestimmten Dingen dieser Welt, bisweilen auch literarisch verarbeiteter Schrecken. Die erzählerische Grundlinie dieses Buches beschreibt die Jahre von Alessandra: Kindheit und Aufwachsen eines Mädchens, das seitens der Stiefeltern kaum Liebe erfährt. Im Gegenteil: Sie wird eingesperrt, gedemütigt, und man versucht, ihr das Innerste, ihre Seele, zu rauben. Zwei Personen (Anna, die Ziehmutter, und Katharina, die Leiterin eines Jugendamtes) sind es, die offenbar immer nur das Schlechteste für die Hauptfigur ersinnen. Zugleich verschwinden Menschen, geschehen Morde.

Im Mittelpunkt dieses Romanes steht aber die stolze Alessandra, erst ein ganz kleines, dann ein junges Mädchen ... und später eine reife Frau. Sie behauptet sich trotz aller erlittenen Verwundungen und deshalb möglichen Verwüstungen ihrer Seele dennoch, indem sie sich durch den Weg der „Inneren Emigration“ zu schützen weiß. Dabei hilft ihr eine Gestalt aus einer anderen Welt: Vincent. Nur so kann sie Mordanschlägen entkommen und zugleich mit ihrer Zeugenschaft von den im Haus der Ziehmutter geschehenen Verbrechen weiterleben. Vincent ist Geheimnis und Rettung zugleich. Alessandra wird mit ihm zusammen die Dinge aufklären, die ihr Leben in Unruhe versetzen.

Ein Buch wie ein Traum. Alessandra wehrt sich gegen das Verbrechen und die Demütigungen zweier so hartherziger Frauen. Morde geschehen. Vincent, Engel des Todes und Vision größter Liebe, hilft ihr,über das Grausame zu triumphieren.

Textauszug
Wieder zurück in Klingental gab es sehr häufig lange und mächtige Gewitter, da der Ort von Bergen eingekesselt war. Oft dauerte es Stunden, bis das Gewitter sich langsam verzog. Anna holte dann mitten in der Nacht die Kinder aus den Betten, und die Kinder mussten sich anziehen. Sie setzten sich alle um den Tisch, auf dem bereits angezündete Kerzen standen. Der Grund war, dass meistens, wenn in dem Ort ein Gewitter war, ein Blitz auch in ein Haus einschlug. Aus diesem Grunde auch befahl Anna den Kindern zu beten. So beteten Anna und die Kinder, dass der Blitz nicht in ihr Haus einschlüge, bis auf Alessandra. Denn Alessandra betete für etwas anderes. Denn desto mehr es blitzte und donnerte, desto höher schlug Alessandras Herz vor Freude. Sie wünschte sich, dass nun ihr Vater da wäre und wütend darüber sei, dass Anna böse zu seiner Tochter ist. Und wenn das Haus bebte und der Tisch vibrierte, sagte sie zu sich: „Seht! Jetzt wisst ihr, was Angst ist!“, und dachte, ihr Vater schlägt auf den Tisch. Und wenn sie von ihrem Vater sprach, meinte sie Gott.

Diese Tage waren die wenigen Tage, an denen sich Alessandra erfreute, aber diese Freude teilte sie mit niemandem. Das Kind fing zu dieser Zeit an, zu ihrer Mutter zu gehen, und ihr mitzuteilen, dass jemand stirbt. Ohne irgendetwas hinzuzufügen, drehte sie sich dann gleich um und verließ den Raum, in dem die verdutzte Anna stand. Aber innerhalb einer Woche nach Alessandras Ankündigung starb immer eine verwandte Person. Und so verstarb als erstes Martin nach einem Unfall, danach ein Onkel Annas (den Alessandra nicht kannte) ... und so ging es weiter. Und zwar immer dann, wenn Alessandra dieses bestimmte Gefühl hatte, das meist vom Auftauchen einer Krähe begleitet wurde.

Da Anna nach dem zweiten Mal wütend wurde, unterließ Alessandra es, ihr dieses, was für sie normal war, mitzuteilen. In diesen Zeiten, als das Kind wusste, dass jemand „geht“, erfüllte sie ihre Traurigkeit mit noch mehr Hoffnungslosigkeit.

Gustav indes hatte versucht, sich (noch in Obernbreit) das Leben zu nehmen. Doch seine Zeit sollte noch nicht abgelaufen sein, als er sich volltrunken über die Brüstung in den Main warf. Obwohl er nicht schwimmen konnte, stand er dann im Morgengrauen wieder vor der Türe seines Zuhauses. (Nun ja „Zuhause“, wenn es denn ein Zuhause gewesen wäre!) Anna wusste gleich, was er versucht hatte. Sie grinste nur und ließ ihn zur Türe rein, meckerte wegen dem Gestank des Maines und des Alkohols.

Nun war der Tag des Umzugs angebrochen, aber irgendwie wollte sich keines der Kinder darüber freuen. Barbara sagte zu ihrem Vater Gustav, dass sie nicht umziehen wolle. Der sprach nur: „Du wirst das tun, was man dir sagt.“ Und Alessandra schwieg. Mittags stand dann die Familie vor den großem Fachwerkhaus. Barbara hatte Alessandra an der Hand, als sie im Treppenhaus standen. Doch Alessandra wollte keinen Schritt machen und starrte nur die Treppe hoch. Sie stand so entsetzt da, dass sie nicht merkte, dass sie Barbaras Hand so sehr zudrückte, bis Barbara vor Schmerz aufschrie.
Alessandra konnte sich auch Jahrzehnte noch an diesen Moment erinnern, aber sie schwor, dass es stockdunkel war. Wenn wir von Vorahnungen reden, würde man sagen: Alessandra ahnte, dass dieses Haus ihr Schicksal werden würde. Katharina indes stellte in Diskotheken jungen Mädchen nach, damit sie ihnen nach einer Schwangerschaft das Kind wegnehmen konnte, um es wiederum an kinderlose Ehepaare zu verkaufen. Ein schlechtes Gewissen stellte sich bei ihr nicht ein. Und wenn dabei mal ein Kind starb, so war es in ihren Augen „Schicksal“. Auch der Verlust der Mütter interessierte sie nicht – waren diese doch in Katharinas Augen sowieso nicht fähig, ein Kind großzuziehen.